FILMKULTURPREIS MANNHEIM-HEIDELBERGDas Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg vergibt ab sofort - beginnend im November 2008 - jährlich den FILMKULTURPREIS MANNHEIM-HEIDELBERG. Er geht an Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen, die sich über Jahre hinweg kontinuierlich verdient gemacht haben um die Filmkultur in Deutschland. Unter Filmkultur wird ein Umgang mit dem Medium Film im Kino, Fernsehen und andernorts verstanden, der sowohl den künstlerischen Reichtum einer intelligenten Kinematografie zum Ausdruck bringt, wie von einer Haltung bestimmt ist, die den Zuschauer nicht nur primär als Konsumenten sieht, sondern als Kommunikationspartner ernst nimmt. Der FILMKULTURPREIS MANNHEIM-HEIDELBERG wird von der Direktion des Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg oder deren Beauftragten auf der Basis von Vorschlägen aus der deutschen Filmbranche vergeben. Selbstbewerbungen mit geeigneten Informationsmaterialien sind ebenfalls möglich. Als Preisträger in Frage kommen deutsche Fernsehredaktionen, Kinofilmverleih-Unternehmen, Video- und Online-Vertriebe, Filmproduzenten, Einrichtungen der Filmförderung, Kinos, Filmfestivals, Filmakademien, Filmpublikationen und Publizisten. Der FILMKULTURPREIS MANNHEIM-HEIDELBERG ist nicht dotiert und kann pro Jahr bis zu fünf Mal vergeben werden. Filmkunstpreis für Fernsehen in DeutschlandDas 56. Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg vergab erstmals den neuen "Filmkunstpreis für Fernsehen in Deutschland". Ausgezeichnet werden sechs Fernsehfilme aus jenen, die im Verlauf der vergangenen zwölf Monate ausgestrahlt wurden. Die Auszeichnung geht jeweils an den verantwortlichen Redakteur des Films und an den Regisseur. Die Preisträger sind: Eine Stadt wird erpresst ARTE - ZDF Redaktion: Caroline von Senden Regie: Dominik Graf Darsteller: Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg Guten Morgen Herr Grothe WDR Redaktion: Dr. Barbara Buhl Regie: Lars Kraume Darsteller: Sebastian Blomberg, Nina Kunzendorf Helen, Fred und Ted BR, NDR Redaktion: Dr. Stephanie Heckner und Bettina Reitz; Daniela Mussgiller Regie: Sherry Horman Darsteller: Friedrich von Thun, Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Gisela Schneeberger, August Zirner, Corinna Harfouch, Nina Kronjäger Der Novembermann WDR Redaktion: Michael Andre Regie: Jobst Oetzmann Darsteller: Götz George, Barbara Auer, Burkhart Klaußner Peer Gynt ARTE - ZDF Redaktion: Wolfgang Bergmann und Meike Klingenberg Regie: Uwe Janson Darsteller: Robert Stadlober, Ulrich Mühe, Karoline Herfurth, Pegah Ferydoni Die Tote vom Deich ZDF Redaktion: Daniel Blum Regie: Matti Geschonneck Darsteller: Christiane Paul, Elisabeth Trissenaar, Devid Striesow Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg, das über ein weltweites Renommee als Festival der Filmkunst verfügt, setzt damit einen neuen zusätzlichen, zweitägigen Schwerpunkt zum Auftakt des Filmfestivals, der sich vorrangig an die Fachwelt und Presse des Inlandes richtet. Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg will mit dem neuen Preis künftig jene produzierenden Redakteurinnen und Redakteure im deutschen Fernsehen stärken und ermutigen, denen die filmästhetische und erzählerische Qualität so wichtig ist, dass sie, wenn nötig, auch eine niedrigere Einschaltquote riskieren. Das für seine jährlichen Entdeckungen internationaler Newcomer berühmte Festival ist der Auffassung, dass es falsch ist, Kino vom Fernsehen trennen zu wollen und dass die eigentliche Trennlinie in beiden Feldern dort verläuft, wo jemand sich entweder für künstlerische Qualitäten und damit auch das Ernstnehmen des Publikums entscheidet, oder dafür, primär viel Quote oder viel Umsatz zu machen. Gegen die zahlreichen anderen wichtigen Preise und Auszeichnungen im Bereich des deutschen Fernsehens soll mit dem neuen Preis ausdrücklich nicht konkurriert werden. Es geht vielmehr darum, sich als internationales Festival der Filmkunst ohne die alten Scheuklappen gegenüber dem Fernsehen in die Debatte um die Qualität von Film im Fernsehen hierzulande einzumischen, und eine direkte Verbindung und Vergleichbarkeit zur allgemeinen internationalen Filmkunst herzustellen. Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg versteht seinen neuen Preis als Zeichen der Verbundenheit mit den produzierenden deutschen Fernsehredakteuren, die das Niveau von Filmkunst ebenso ernst nehmen wie internationale Kinoregisseure und Produzenten im gehobenen "Arthaus"-Filmbereich. Die durch den Regisseur Volker Schlöndorff und seine Forderung nach einer Trennung von Kino und Fernsehen ausgelöste Debatte, die Schlöndorff den Entzug der Regie am Kino-Fernseh-Zweiteiler "Die Päpstin" durch den Produzenten Constantin Film gekostet hat, geht nach Ansicht des Festivals in die falsche Richtung. Denn wenn man vom Kino angesichts der technologisch-wirtschaftlichen Entwicklungen verlangt, in Zukunft ohne das Fernsehen in Deutschland auszukommen, forciert man das Ende des anspruchsvollen Kinos zugunsten immer kommerziellerer Kinofilme. Die besseren Kinofilme entstehen in Deutschland schon seit vielen Jahren maßgeblich auch mit Fernsehgeldern. Eine nur auf die immer schmaler werdenden Absatzchancen im Kino sich stützende Filmfinanzierung würde so wenig Risiken eingehen müssen, dass geradezu notgedrungen primär kommerziell orientierte Filmwerke entstehen. Das deutsche Fernsehen mit seiner zunehmenden Diversifizierung in Spartenkanäle und insbesondere in seinem öffentlich-rechtlichen Teil muss und kann es sich weitaus mehr erlauben, rein quantitative Einschaltquotenerfolge für zweitrangig zu erklären und damit auch für die Filmauswertung im Kino eine echte Qualitätssicherung betreiben. In den deutschen Fernsehanstalten sitzen die Auftraggeber, die die von Schlöndorff mit Recht beklagte Verwurstung der Filmkunst zu billigem Fernsehen zumindest in einem Teil des Fernsehprogramms verhindern können, in dem sie den Filmproduzenten solche Aufträge nicht erteilen. Und in den Kinofördergremien sitzen die Verantwortlichen, die in Kooperation mit dem Fernsehen dafür sorgen können, dass dieselbe Verwurstung auch nicht im Kino passiert. Eine Trennung von Kino und Fernsehen würde mehr schaden als nützen. Angesichts der rapide fortschreitenden Ökonomisierung der Filmverwertung durch Fernsehkanäle, DVDs, Internet und Mobiltelefone ist vielmehr die wirkungsvolle Zusammenarbeit all jener gefordert, denen der Film in erster Linie ein künstlerisches Medium des sinnlich-intelligenten Erzählens und zwischenmenschlicher Kommunikation ist, dessen Wert sich eben weder in Umsatzzahlen noch in Quoten messen lässt. Wobei außerdem auch noch falsch gemessen wird. Wenn die ARD im letzten Jahr entschieden hat, unseren Preisträger "Helen, Fred und Ted" nicht wie geplant als Serie fortzusetzen, weil nur etwa drei Millionen Zuschauer zugeschaut haben, dann war das deshalb falsch gezählt, weil viele weitere Millionen mitgerechnet werden müssen, die nur deshalb nicht zugeschaut haben, weil sie gar nicht mehr damit rechnen, solche Qualität zur Hauptsendezeit serviert zu bekommen. Wer dieses Filmwerk jetzt bei uns als Preisträger im Kino sieht, wird sich sofort wünschen, mehr davon sehen zu können und es wird ihm fast egal sein, ob im Fernsehen oder im Kino, Hauptsache, es gibt Filme wie unsere sechs Preisträger überhaupt und öfter zu sehen. | ||